Das erste Jahr als Verein, war für die Musikkapelle nicht leicht. Man kann nur staunen, was sie alles bewältigte. Wegen der Umstellung auf andere Stimmung mussten neue Instrumente angeschafft werden, auch traten weitere Aktive ein, die Instrumente brauchten. Die Inflation war gerade verkraftet worden. Es war das erste Mal, dass von größeren Schulden die Rede war. 1 500 Mark hatten die Instrumente gekostet (gekauft bei Reiser in Ulm). Die Gemeinde mochte die Schuld nicht übernehmen gegen Übereignung der Instrumente, was vorgeschlagen wurde. Was sollte sie auch mit den Instrumenten? Aber sie gab einen einmaligen Zuschuss von 200 Mark. Rund 800 Mark hatten die Musiker bis dahin selbst aufgebracht.

Es gab auch edle Spender in den Reihen der passiven Mitglieder. Einer, der wohl recht kräftig unterstützt hat, war Mühlenbesitzer Josef Spieß aus Sigmarshofen. Nicht in diesem speziellen Fall wird das erwähnt, aber als er 1929 starb, berichtet der Chronist über die großzügige Unterstützung, die der Musikverein durch ihn erfuhr, und zählt ihn zu den Mitgliedern, „die dem Musikverein am nächsten standen“. Schon ein Jahr später waren die Schulden getilgt – erstaunlich nach der Wirtschaftskrise. Es war beschlossen worden, den Jahresbeitrag von zwei Mark auf drei Mark anzuheben und bei vielen Konzerten und Veranstaltungen Geld einzuspielen. Die Beiträge für Beerdigungen ordnete man neu, zu Weihnachten wurde Theater gespielt. Immer warben die Musiker fleißig um passive Mitglieder. Bei jeder Generalversammlung wird von Neuzugängen berichtet. Durchschnittlich bewegte sich die Mitgliederzahl um 100.

Anteilschein Musikverein Grünkraut 1927

Anteilschein Musikverein Grünkraut 1927

Gegen Ende 1927 entschloss man sich, Uniformen anzuschaffen. Diese sollten bis zum Musikfest in Horgenzell 1928 da sein. Wie sollte das bezahlt werden? Man kam auf die Idee, Anteilscheine für 1 Mark an die Bevölkerung zu verkaufen. Mit diesen Anteilscheinen gab es dann zu verschiedenen Anlässen eine Verlosung.

Auch spielten die Musiker, die sonst für ihre Auftritte ein kleines persönliches Entgelt erhielten, so ist wenigstens aus dieser Bemerkung im Protokoll zu schließen, im Jahr 1928 ausschließlich für die Vereinskasse. Ebenso hat die Gemeinde die unermüdliche Bereitschaft der Musiker, jederzeit zu den verschiedenen Anlässen in Gemeinde und Kirche einen Beitrag zu leisten, immer anerkannt und mit Geld unterstützt. So ist es bis heute geblieben.

Welche Leistungen die Kapelle vollbrachte, mag beispielhaft das Programm des Jahres 1929 zeigen. Es war das Jahr der großen Wirtschaftskrise, aber den Aktivitäten hat das keinen Abbruch getan: 50 Proben, 3 Platzkonzerte, 1 Weihnachtskonzert.
„Ausgerückt“ ist die Kapelle am Weißen Sonntag, am Blutfreitag, am Fronleichnamstag, am Kirchweihfest, zu zwei Beerdigungen, mit dem Kriegerverein nach Ettishofen-Berg, mit dem Krankenunterstützungsverein Knollengraben, zu zwei Kriegergedächtnisfeiern und vier Ständchen.

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