Anton Bottlinger

Anton Bottlinger

In der Hauptversammlung 1975 wählten die Mitglieder Anton Bottlinger aus Liebenhofen zum 1. Vorstand, ein Glücksfall für den Verein. Seine musikalische Ausbildung erhielt er als Zwölfjähriger gleich nach dem Krieg bei Anton Martin und er war seit Anbeginn der erneuten Vereinsgründung 1948 aktives Mitglied der Kapelle. Bis 1996, also 21 Jahre lang, führte er den Verein.

Wie ein roter Faden zieht es sich durch die Vereinsgeschichte, dass bemerkenswerte Menschen mit Ausdauer, großem Idealismus und bewundernswerter Beständigkeit dem Verein Halt und Stütze waren und sind, und als Vorbild dienen. Anton Bottlinger ist so ein Mann, der mit feinem Humor und großem Geschick auch schwierige Situationen meistert und sehr unterschiedliche Meinungen unter einen Hut bringen kann.
Unserem Ehrenvorsitzenden sei Dank!

Er ist heute noch immer aktiv als Hornist in unseren Reihen. Er trägt verdientermaßen das goldene Ehrenabzeichen des Blas-musikverbandes und die goldene Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg.

Mit 63 aktiven Jahren übertrifft er uns alle! Wie kein anderer steht er für Zuverlässigkeit und Dienst am Verein und an der Gemeinde. Man kann seine Leistungen nur bewundern, zumal er zeitweise gleichzeitig Feuerwehrkommandant war. (Nur Josef Steinhauser konnte auf längere Vereinszugehörigkeit zurückblicken, davon aber nicht so viele aktive Jahre.) Zum Vorteil der Kapelle gab es 1980 einen Dirigentenwechsel, der ebenfalls zuverlässiges und beständiges Bemühen in die Kapelle brachte. Paul Kindt war schon früher für kürzere Zeit eingesprungen und wurde nun von Vorstand Bottlinger überzeugt, die Kapelle wieder zu leiten. Seine solide Weiterbildung als Militärmusiker an der Musikhochschule Trossingen als Trompeter, Dirigent und Musikpädagoge, war für die Kapelle ein Gewinn. Er nahm schwer Abschied von seiner Kapelle in Esenhausen, die er aufgebaut hatte, stellte sich dann aber der Kapelle seines Heimatortes mit vollem Einsatz 18 Jahre lang zur Verfügung.

Paul Kindt

Paul Kindt

Währenddessen übernahm er auch die Jugendausbildung. Paul Kindt war es, der die Kapelle wieder ermunterte, an Wertungsspielen teilzunehmen. Ihre letzte Anmeldung lag weit zurück, im Jahr 1966, als sie sich an einem Wertungsspiel in Eberhardszell unter dem Dirigenten Kaczmarek beteiligte und einen 1. Platz in der Oberstufe errang. Nun stellte sich die Kapelle nach 18 Jahren 1983 wieder dem Wettbewerb in konzertanter Blasmusik in Haisterkirch
und errang in der Mittelstufe einen 1. Rang.
1991 erspielte sie sich in der B-Stufe einen 1. Rang mit Auszeichnung, 1997 in Alttann in der Mittelstufe die Note „sehr gut – gut“.

Schwerpunkt waren aber die Marschmusikwettbewerbe, bei denen fast immer die Note „sehr gut“ oder „sehr gut – gut“ erzielt wurde: 1991 gleich zwei Marschmusikwettbewerbe, in Diepoldshofen und in Primisweiler,
1994 Teilnahme beim 4. Landesmusikfest in Wangen, 1998 Teilnahme beim 5. Landesmusikfest in Ehingen, jeweils mit Marschmusikwettbewerb.

75-Jähriges Jubiläum

Mit den vielen Auftritten wuchs der Wunsch nach neuen Uniformen. Durch sparsames Haushalten konnten sie 1985 angeschafft werden, und edle Spender (die Firma Gutekunst, Karl Rothmund, Gebhard Fuchs und die Raiffeisenbank Grünkraut) schenkten der Kapelle sogar einen großen Schellenbaum. Zum Blutfreitag 1985 rückte die Kapelle zum ersten Mal damit aus. Im gleichen Jahr wurde das 75-jährige Jubiläum der Kapelle gefeiert und gleichzeitig ein Mann der ersten Stunde für 75-jährige Vereinszugehörigkeit mit der goldenen Ehrennadel geehrt: Josef Steinhauser.

Sehr großen Wert legte Vorstand Bottlinger auf die Jugendausbildung. Die Kapelle verjüngte sich. Das war in der Führung nicht einfach. Nicht nur dass die Jugend andere Musikvorlieben entwickelte, sie forderte auch mehr Mitspracherecht. Es gab überdies grundsätzliche Fragen, was unter Volksmusik zu verstehen sei. Sehr unterschiedliche Einflüsse machten sich durch die Medien geltend.

75 Jahre Jubiläum

So waren es Filmmusiken, Melodien aus Musicals oder Schlager, die unter den Musikern Anhänger fanden, während sich andere mit Leib und Seele der Böhmischen Blasmusik verbunden fühlten oder lieber im Stil der Bigband musizieren wollten.
Diese widerstrebenden Richtungen harmonisch und stilistisch qualitätvoll zusammenzubringen war schwer, und mancher der ganz jungen Musiker fühlte sich in seinen Wünschen und Vorlieben übergangen.

Es gehörte sehr viel Stehvermögen und Geschicklichkeit dazu, das auszuhalten und das Schiff des Vereins um einige Klippen zu lenken, ohne gerade besonders talentierte und hervorragende Musiker zu verlieren. In diese Zeit fiel die Gründung der „Scherzachtaler Blasmusik“, die ab 1989 ihre Auftritte in eigener Verantwortung organisierte und auch Musiker aus dem weiteren Umfeld rekrutierte. Sie erringt überall große Erfolge und ist weit über Grünkraut hinaus als eine der besten Blasmusikkapellen, die sich der Böhmischen Blasmusik verschrieben haben, bekannt. Wir sind dankbar, dass immer noch einige dies-er begabten Musiker ihrer „Heimatkapelle“ treu sind. Die Zahl der weiblichen Mitglieder wuchs beständig.
Nun leuchteten bei Umzügen und Marschwettbewerben immer mehr weiße Strümpfe zwischen all den schwarzen Hosen hervor!

2000 ehrte man mit Beate Kraus die erste Frau für 20-jährige aktive Zugehörigkeit. Sie begann ihre Ausbildung als einziges Mädchen unter lauter Jungen. Es ist kaum zu glauben, aber die alte Fahne von 1913 war bis 1987 in Gebrauch. Kein Wunder, dass sie brüchig wurde, obwohl 1964 einmal eine Seite erneuert wurde. 1987 leitete daher der Vorstand die Anschaffung einer neuen Fahne tatkräftig in die Wege und 1989 konnte Fahnenweihe gefeiert werden. Nicht nur das schöne Fest der Fahnenweihe, sondern auch andere, vielfältige Aktivitäten kennzeichnen die Achtzigerjahre. Die vielen Marschmusikwettbewerbe wurden schon erwähnt. Das jährliche Wunschkonzert in der ersten Dezemberwoche – zunächst nur im Zweijahresrhythmus geplant – entwickelte sich zum alljährlichen Höhepunkt, wo die Kapelle ihr ganzes Können in konzertanter Blasmusik der verschiedensten Stilrichtungen zeigt. Die kluge und umsichtige Finanzpolitik von Vorstand Bottlinger sorgte für stetig wachsende Rücklagen, sodass die Neuanschaffung von Uniformen, die Reparatur und Neuanschaffung von Instrumenten und die Jugendausbildung gesichert waren. Besonders die Jugendausbildung wurde intensiv betrieben. Längst konnte sie nicht mehr allein durch vereinszugehörige Musiker bewältigt werden und erforderte mehr finanzielle Mittel. Die Gemeinde engagierte sich hier nach wie vor und auch die Eltern der Kinder und Jugendlichen trugen ihren Teil dazu bei.

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